Sozialdarwinismus

Etymologie:
Sozial – Darwin – ismus (sozial → lat. socius: „gemeinsam“; Darwin → Charles Darwin (siehe unten); ismus → Ideologie)

Definition:
Der Begriff „Sozialdarwinismus“ bezeichnet eine Ideologie, die Teile aus der darwinistischen Evolutionslehre auf die Gesellschaften anwendet, dabei jedoch etliche Prinzipien von Darwin außer Acht lässt und die Menschenrechte völlig ignoriert. Das bekannteste Beispiel für die schonungslose Anwendung des Sozialdarwinismus ist das nationalsozialistische Regime in Deutschland unter Hitler.

Grundlagen Darwins biologischer Evolutionstheorie:
In der „Entstehung der Arten“ von Charles Darwin werden die Ursachen für natürliche Selektion genannt:
1. „Struggle for Life“ → Kampf ums Dasein (z.B. Umweltanpassung)
2. „Survival of the Fittest“ → Überleben des Stärksten (oder Kooperativsten!)
3. „Natural Selection“ → nat. Auslese (z.B. sexuelle Selektion)

Der Sozialdarwinismus in der Theorie:

• Herbert Spencer (1820 – 1903) gilt als erster Anwender von Darwins Theorien auf die Gesellschaften an
• dabei konzentrierte er sich auf den Aspekt des „Survival of the Fittest“
• er erklärte, dass Menschen, die der Gesellschaft keinen Nutzen bringen, in der Gesellschaft lebensunwert seien
• jedoch war er auch sehr liberal eingestellt, forderte beispielsweise das freie Recht auf Sezession vom Staat für jeden
• ein sehr prägender und bekannter Philosoph in dem Themenbereich war Friedrich Nietzsche (1844 – 1900)
• er entwarf insbesondere das Prinzip des „Übermenschen“, das in leichter Abwandlung auch von den Nationalsozialisten verwendet wurde
• Zitat: „Das Leben ist ein Born der Lust; aber wo das Gesindel mit trinkt, da sind alle Brunnen vergiftet“ (Aus: „Also sprach Zarathustra“)
• der Brite Edward Tylor entwarf dann den fast endgültigen Sozialdarwinismus, für den einzig die der Gesellschaft helfenden Gruppen und Individuen lebenswert sind und der Rest wenigstens aus der Gesellschaft ausgeschlossen gehört, im extremsten Fall lebensunwert und dem Tode geweiht wird
Vom Sozialdarwinismus zum Nationalsozialismus:
• aus dem Sozialdarwinismus entwickelte sich um 1919 herum die Rassenhygiene, eine Radikalvariante der Eugenik
• Eugenik → „Vitalrasse“
• Rassenhygiene → „arische Rasse“
• besonders in Deutschland fand der Gedanke an eine Art „nordische Herrenrasse“ Anklang
• praktische Umsetzung: Nürnberger Gesetze, Zwangssterilisationen, Zwangsabtreibungen etc.
• zur NS-Zeit waren 90% aller Antropologen, Humangenetiker und Rassenhygieniker Mitglieder der NSDAP
• Unterscheidung zwischen positiver Rassenhygiene (Verbesserung des Erbguts durch züchterische Maßnahmen) und negativer R. (Beseitigung des schlechten Erbguts)
• Grundlage: Sorge vor genetischer und kulturellerer Degeneration und „Entartung“ der Menschheit

Kritik und Widersprüchliches:

• der Sozialdarwinismus ist mit unseren Moralvorstellungen unmöglich zu vereinen
• ein Verstoß gegen die grundlegenden Züge der Menschenrechte
• Spencer verschieden interpretiert: als Vorreiter des Sozialdarwinismus oder des Evolutionismus
• biologisch gesehen ebenfalls nicht relevant

3 Kommentare

  1. xyz sagt:

    Sehr informativ, vielen Dank für Ihre/Eure Mühen!

  2. sapkohteriwp sagt:

    Sehr informativ! Die Ele Klassenbox empfehle ich nur weiter!

  3. J.St sagt:

    Sehr gute Erklärung, danke!

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