Wenn die Uni mit der Bahn ins Bett steigt
Studiengebühren sind ein leidiges Thema. Ich bin mir relativ sicher, dass man sich mit jedem Studenten stundenlang darüber unterhalten könnte. Persönlich geht es mir in diesem Beitrag aber weniger um die 500 Euro. Stattdessen möchte ich über die zusätzlichen Gebühren der Universität sprechen.
So zahlt man in Essen zusätzlich nochmal 200,02 Euro für Asta (12 Euro), Studentenwerk (59 Euro) und für ein NRW-Ticket. Letzteres kostet „günstige“ 129,02 Euro. Was machen jetzt aber die Leute, die mit dem Auto zur Uni fahren? Zumindest habe ich mir diese Frage gestellt, als ich die Auflistung der Gebühren gesehen habe. Schließlich fahre ich täglich mit dem Auto, weil es für mich bequemer ist. Wie sagte es schon der Super-Papagei bei den drei Fragezeichen? „Arg….da schauste in die Röhre“.
So in etwa klang zumindest die Antwort der Uni-Beraterin, als ich das NRW-Ticket abbestellen wollte. Folglich zahle ich alle sechs Monate 129,02 Euro für ein Ticket, was ich nie in meinem Leben gebrauchen werde. Zudem hat das Ticket die Größe einer DinA4-Seite und das ist kein Witz. Verkleinern kann man das ganze nicht, weil sonst der Strichcode verzerrt wird. Das hat man davon, wenn die Uni scheinbar einen Vertrag mit der deutschen Bahn abgeschlossen hat. Vermutlich ist im nächsten Semester dann direkt ein gebührenpflichtiger Mehdorn-Trojaner enthalten, der das weitere Studien überwacht. Manchmal kann ich echt nur den Kopf schütteln.


In Regensburg müssen wir das Semesterticket vom RVV auch zahlen, egal ob wirs brauchen oder nicht. Aber das sind immerhin nur um die 46 Euro. Und der Studentenausweis ist gleichzeitig das Ticket, also auch kein riesengroßer Zettel. Das ist ja echt bescheuert, auf so ne Idee muss man erst mal kommen *kopfschüttel*
Dazu würde ich gerne 3 Dinge anmerken.
1. Wenn ich das gleiche Ticket habe wie du, dann ist es nicht DinA 4 (210 × 297) sondern nur (106 x 166), weil di es nach dem ausdrucken ja noch ausschneiden musst.
Damit ist es schon mal 3,5 mal kleiner als du behauptest.
Dazu kommt noch, dass man zumindest in Dortmund im AStA kostenkos Tickethüllen bekommt.
Das Ticket wird dann 2 mal jeweisl Mittig gefaltet und in die Hülle gesteckt, so ist es nur noch (88 x 56) groß, sprich 12,6 mal kleiner als DinA4. Und zugeklappt in der Hülle akzeptiert es jeder Busfahrer und Bahnkontrolleur.
2. An vielen Unis hat es abstimmungen gegeben was die Semestertickets angeht. Bei uns in Dortmund mit klarem JA zu den Tickets. Ich kenne aber auch Unis, wo sich die Studierenden dagegen entschieden haben. Da haben nun alle kein Ticket.
3. Das mit dem Ticket (alle oder keiner) soll so sein. Es gibt nunmal in Deustchland Studenten, denen es finanziell besserg eht und solchen, die es sich eigentlich ja gar nicht leisten können zu studieren.
Das mit dem Tickets ist als Sozialausgleich zu verstehen. Dadurch, dass du dein Ticket nur zahlst, aber nie nutzt, finanzierst du quasi einem Studenten der nicht soviel Geld hat wie du seines. Und ich gehe jetzt mal davon aus, dass es dir aus Studentensicht recht gut geht, wenn du es dir leisten kannst ein Auto zu finanzieren, ich kann das z.B nicht.
Sieh es also als Dienst an der Gesellschaft, denn wir wollen ja alle nicht, dass bei uns im Land die Chancen für die Zukunft vom Geld und vom Elternhaus abhängen. Zumindest sollten wir es versuchen
PS: Studiengebühren dagegen könnte man ruhig abschaffen, alleien die dadruch mitgeschaffene Bürokratie ist schon teuer, ineffizient und ätzend. Lasst die deustchen Studenten und ASten lieber wieder für oder gegen was vernünftiges arbeiten/kämpfen als für die beschissenen Studiengebühren.
Amen
Bei einer Sache muss ich Dir zustimmen. Das Ticket ist im Sommersemester scheinbar tatsächlich kleiner geworden. 11x17cm mittlerweile.
Ich arbeite auch hart dafür, um mir mein Studium, Auto, Versicherungen, Wohnung usw finanzieren zu können.
Man sollte Studenten wenigstens die Möglichkeit zur Abbestellung geben. Sowas sollte einfach optional sein und keine Pflicht. Studieren alleine ist schon teuer genug. Wieso also die Kosten noch weiter in die Höhe treiben.
Ich kann dir in vielen Belangen zustimmen Geby, aber in Sachen Semesterticket von einem sozialen Ausgleich zu sprechen, ist doch sehr, sehr weit hergeholt. Alle Stadtwerke und Verkehrsverbünde bieten in der Regel billigere Konditionen für Studenten an und das ist bei den überteuerten normalen Preisen auch überhaupt kein Problem, da ist es nicht nötig, dass man die Studenten zum Kauf eines Semestertickets zwingt. Ich denke, wenn man in diesem Fall klagen würde, hätte man sehr, sehr gute Chancen zu gewinnen. Ich finds nämlich nicht ok. Zum Glück ist das in Heidelberg nicht so – da werden einem als Autofahrer aber andere Hürden in den Weg gelegt
In Würzburg hat man das Ticket für VVM (Landkreis Würzburg) auch immer “abonniert” Kostet tut’s nur 45 Euro, wird aber auch jedes Semester 2-3 Euro teurer. http://bit.ly/1faCu
Interessant find ich, dass Behinderte befreit werden, da die eh umsonst fahren dürfen. Wenn ich nun eine Bahncard100 hätte, dürft ich mich dann auch befreien lassen?
@Frank: Das mit dem klagen ist nicht richtig. Es gab dazu schon ettliche Klagen, keine erfolgreich, soweit ich weiß.
Und das mit dem Sozialen ausgleich ist nunmal so! Das Ticket ist für die Bahn kein Minusgeschäft und es kostet halt nur so wenig (Pro Jahr keine 300€ für GANZ NRW) weil es nicht alle Studenten nutzen.
Wär es optional, bzw. könntem an es abbestellen dann würde es für die, die es benutzen sicher unter 250€ im Semestern icht zu bekommen.
Es ist definitiv ein solidarisches Ticket!! Ob einem das gefällt oder nicht.
Denjenigen, die viel verdienen und einen höheren Steuersatz zahlen, denen gefällt das unter umständen auch nicht. Ändern können die es aber auch nicht.
129,02€ für ein Ticket das in GANZ NRW gilt!? Und dann beschwert man sich, dass es zu teuer ist? Für mich unverständlich und ich würde in allen Punkten geby Recht geben.
An der FH Pforzheim zahlt man auch das Studententicket mit und das gilt NUR im Pforzheimer Verkehrsverbund. Trotzdem beschwert sich kein Mensch drüber.
Gegen den Preis sag ich nichts, gegen den Kaufzwang definitiv. Ich nutze seit 3 Jahren keine öffentlichen Verkehrsmittel, wieso also dafür zahlen
Ganz genau. Frank bringt es nochmal auf den Punkt. Es geht in keinster Weise um den Preis. Das Problem ist einfach diese Ticketpflicht. Wieso für etwas zahlen, was ich eh nicht benutze? Wer das Ticket benötigt, der bekommt für sein Geld vermutlich etwas sehr gutes geboten. Kenne leider keine Angebote der Bahn. Wer es aber nicht braucht, zahlt pro Semester über 120 Euro für etwas, dass er niemals benutzen wird. Rechne das mal auf sechs Semester hoch. Dafür könnte man schon wieder ein ganzes Semester studieren.
an der uni köln haben wir auch das wunderbare nrw-ticket und ich bin hoch erfreut darüber, denn so günstig kommt man sonst nicht an die möglichkeit ganz nrw zu bereisen. jedoch stört mich der kaufzwang – ich wäre auch bereit 200euro zu zahlen, denn ich kann meine mitstudenten nicht via “zwangsabgabe” für meine kosten aufkommen lassen.
@Sascha W:
Naja, mit der selben Begründung könntest du dann sagen “wieso geht ein Teil meiner Studiengebühren für die Bibliothek drauf, ich leihe nie ein Buch aus!” oder “wieso werden mit den Studiengebühren die Computer-Pools aufgerüstet, die benutze ich doch nie!”.
Oder um es auf das “normale Leben” zu übertragen: “Wieso zahle ich einen so hohen Versicherungsbeitrag, ich bau doch überhaupt keine Unfälle!” …und es gibt noch zig weitere Beispiele!
Man finanziert immer irgend jemanden mit. Es gibt immer irgend jemanden, der den jeweiligen Service nicht in Anspruch nimmt.
Wenn es, wie geby schreibt, sogar Abstimmungen über dieses Semesterticket bei euch gab, kann man sich ja ohnehin nicht beschweren. Ich meine was soll die Uni/FH denn machen? Dass es eine Vergünstigung für Studenten, die auf den ÖPNV angewiesen sind, geben muss, steht wohl außer Frage.
Also wird eine Kooperation geschlossen. Dann werden die Studenten sogar noch dazu aufgerufen darüber abzustimmen ob sie das auch wollen, es wird so eingeführt und dann ist es erst nicht Recht.
Es steht in jeder Schule den Schülern frei, sich ein Ticket zu besorgen oder nicht – die Vergünstigung bleibt auch wenn nur 1 Schüler aus der Klasse diese in Anspruch nimmt. Öffentliche Verkehrsmittel sind sowieso völlig überteuert, die brauchen keinen Solidarbeitrag. Ausserdem nutzen viele Studenten auch Fahrrad oder laufen zur Uni. Ich halte es für nicht zu rechtfertigen, dass man 129 Euro für was bezahlen soll, das man gar nicht braucht. Der Vergleich mit VErsicherungen und Studiengebühren hinkt gewaltig. Im Gegenteil: gerade durch die Studiengebühren ist schon genug Solidarität geleistet und man kann das Semesterticket auch mit Mitteln aus Studiengebühren sponsorn. Sowieso wird das Ticket jedes Semester teurer.
Der Vergleicht hinkt ganz und gar nicht. Und nochmal: Es wurde unter den Studenten darüber abgestimmt!
Da hinkt viel eher der Vergleich mit dem Schülerticket. Ich kenne zumindest keinen Schüler, dessen Ticket im ganzen Bundesland gilt.
Und ähm “öffentliche Verkehrsmittel sind völlig überteuert, die brauchen keinen Solidarbeitrag” – genau darum geht es doch! Wenn die günstiger wären, bräuchte man kein Solidaritätsticket. Du willst ja wohl nicht ernsthaft verlangen, dass sich ein Student das NRW Ticket zum regulären Preis von ca 550€ kauft, oder?
Es ist doch auch total egal, für welchen Bereich das Ticket gilt. Ob das für ganz Deutschland oder für ganz NRW gilt ist doch mir total egal wenn ich es nicht nutze. Sowieso, für was zwingt man Studenten eine Karte für ein ganzes Bundesland zu kaufen, der normale Student ist doch ohnehin nur in seiner Unistadt unterwegs. Es ist schlichtweg nicht ok, alle Studenten zum Kauf eines solchen Tickets zu verdonnern, deshalb ist das wohl auch nur in Ausnahmefällen so.
Fragt doch mal den Bund, ob ihr weniger Steuern zahlen müsst, denn schließlich habt ihr auch nichts von Hartz 4. Aber zahlt trotzdem für viele Menschen, die zu wenig Geld haben.
Wir leben in einem Sozialstaat und da muss man auch mal auf Kompromisse eingehen. Meistens gibt es Abstimmungen an den Universitäten für diese NRW Tickets, ich weiß das dies in Duisburg/Essen der Fall war und dort wurde für das Ticket abgestimmt. Also nächste mal vielleicht zur Wahl gehen und weitere Gegenstimmen sammeln. Aber moment eigentlich ist euer Wunsch ja, das alles nach eurer Nase läuft. Faszinierend wieviele so sehr ICH-bezogen sind und nicht andere verstehen können, die pendeln müssen und sich ein eigenes Auto nicht leisten können.