Bücher oder Fernsehen – was bringt mehr Gewinn?

Mit der Erfindung des Fernsehens entstand gleichzeitig die bis heute währende Diskussion, inwieweit es sich schädlich auf den Menschen auswirkt, ob und warum Bücher ihm vorzuziehen sind und welches der beiden Medien dem Nutzer mehr Gewinn bietet. Die Antwort auf insbesondere die letzte Frage, subjektiv betrachtet vielleicht aber auch auf die beiden anderen, hoffe ich hier verständlich darzulegen.

Zunächst sollte man sich den Einfluss auf Kinder und vor allem Klein- und Vorschulkinder bewusst machen. Die auch im Kinderfernsehen schnelle und oftmals verwirrende Bilderfolge führt häufig zu Unverständnis des soeben Aufgenommenen, und es ist in den wenigsten Haushalten möglich, eine laufende Sendung anzuhalten, sodass das Kind – wenn es denn überhaupt den Grund seiner Verstörung begreift – sich nach deren Sinn erkundigen kann. Dennoch würde so etwas selbst in Familien, die die Möglichkeit bieten würden, oder bei DVDs kaum geschehen, da Fernsehen in Verbindung mit Kindern größtenteils dazu dient, diese zu beschäftigen und ruhigzustellen. Im Gegensatz dazu kann ein Kind mit einem Buch, egal ob ihm vorgelesen wird oder es selbst liest, sich jederzeit ohne die Befürchtung, etwas zu verpassen, an seine Eltern wenden; nebenbei lässt sich bei Büchern viel leichter kontrollieren, was das Kind aufnimmt, denn die meisten lernen schneller als erwartet, wie sie mit der Fernbedienung umzugehen haben.

Weiterhin bleibt die sprachliche Entwicklung des Kindes bei zu langer vor dem Fernseher verbrachter Zeit stark zurück, denn woher soll es wissen, wie die zu den entsprechenden Lauten gehörenden Buchstaben aussehen und wie soll es Wörter orthografisch korrekt schreiben lernen, wenn es all dies nie oder nur in der Schule sieht? Ich selbst habe mit vier angefangen zu lesen und bin vollständig ohne Fernsehen und Filme aufgewachsen, mit dem Resultat, dass ich während meiner gesamten Grundschulzeit – danach gibt es keine Diktate mehr – in keinem einzigen Diktat ein anderes Ergebnis als eine fehlerlose Note 1 erzielt habe, sprachlich um Einiges gewandter als manche zwei bis drei Jahre Ältere bin und außerdem gelernt habe, mich anderweitig zu beschäftigen, was in der jetzigen Generation schwerlich der Fall ist; Schwierigkeiten mit dem Gesprächsstoff hatte ich bei meinen Freunden nie.

An dieser Stelle mag man anführen, dass zu diesem Zweck Sendungen wie die „Teletubbies“ oder die „Sendung mit der Maus“, um zwei für die jeweilige Gattung stereotype Exemplare zu nennen, entwickelt wurden, doch die erste Gattung hat wenig bis kein Lernpotenzial, ich gehe sogar so weit, zu behaupten, sie leiten eher Rück- als Fortschritte ein, denn aus Infantilismen wie „winke-winke“ (die kennzeichnende Verabschiedung der „Teletubbies“ am Ende jeder Folge) lernt kein Kind etwas Sinnvolles. Das Problem an Sendungen nach Art der „Sendung mit der Maus“ ist dagegen, dass sie für Kleinkinder zwar zu schnell und verwirrend sind, sich ältere Kinder, für die diese Sendungen geeignet wären, auf der anderen Seite nicht mehr dafür interessieren und sie als nutzlos und langweilig verachten.

Beleuchten wir nun die Kontroversen Fernsehen und Bücher unter dem Aspekt der Jugendlichen und Erwachsenen. Diese beiden Gruppen wählen hauptsächlich Unterhaltungssender wie RTL oder Sat.1 beziehungsweise Nachrichten- oder dokumentarische Sender wie ZDF und arte, um je ein Beispiel zu nennen. Allerdings bewirken erstere eher den Abbau von Gehirn- und Sehzellen als sonst irgendetwas; nur die letzteren sind tatsächlich etwa so ernst zu nehmen, wie deren Ruf verspricht. Jedoch habe ich aus eigener Erfahrung gelernt, dass selbst im Nachrichtenprogramm des ZDF, das als zuverlässig und seriös gilt, einige Dinge ausgelassen oder leicht verändert werden, wie auch Dokumentarsender nicht zwangsläufig wahrheitsgemäße Filme ausstrahlen. Natürlich können Bücher im Bereich Nachrichten nicht mithalten – ich persönlich würde zu diesem Zweck den internationalen Bereich des Internets empfehlen -, dafür als Sachbücher sehr wohl, denn im Gegensatz zu den entsprechenden Filmen ist der Sinn dieser Bücher wirklich die Aufklärung und Information und nicht auch die Unterhaltung, und falls das doch einmal nicht so sein sollte, fällt das meist sehr schnell auf.

Hinzu kommt, dass das Angebot an Themen und Arten, über die Bücher informieren können, viel breiter gefächert als das des Fernsehens ist; beispielsweise existieren keine Sprachlernprogramme oder -sender für den Fernseher, allemal für den Computer, es gibt keine Reiseführer, genauso wenig sind Schulbücher damit kompatibel und wer an der Universität ein Referat hält, sollte besser keinen Fernsehfilm unter seinen oder ihren Quellenangaben haben.

Ein weiterer Vorteil der Bücher ist, dass sie um Einiges komfortabler und praktischer sind als ein Fernseher, nicht nur vom Gewicht und Format her, sondern auch in der Hinsicht, dass man ein Buch an die eigene Person anpassen kann, indem man selbst entscheidet, wann, wo und auf welche Art man sich damit beschäftigt, wohingegen es beim Fernsehen umgekehrt der Fall ist.

Das Fazit daraus lautet: Wer seichte, ablenkende Unterhaltung sucht, bei der man sich nicht anstrengen muss, wird diese wohl eher im Fernsehen finden, wobei es auch entsprechende Bücher gibt. Wer sich dagegen bilden oder seine Kenntnisse auf einem bestimmten Fachgebiet vertiefen möchte, dem sei vielleicht nicht ausschließlich, aber doch hauptsächlich zu Büchern geraten.

1 Kommentar

  1. Mark sagt:

    Hi
    Ich kann mich dem Fazit nicht ganz anschließen, da Fernsehen nicht nur aus Unterhaltung und dementsprechend sicher verblödenden Sendungen besteht.
    Ich lese sicher mehr, als ich Fernseh gucke, aber es gibt genügend Sender, Formate und Dokumentationen, die einem Bildungsauftrag mehr als nur gerecht werden können – und wer liest schon nur Fach- und Sachbücher, die vornehmlich Wissen vermitteln wollen.
    Grenzwertiges Fazit, meiner Meinung nach, dass wohl eher subjektiv ist. Nichts desto trotz, ein interessanter und guter Artikel, der sich lohnt, gelesen zu werden.
    mfg Mark

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