GMAT – bald auch Standard in Deutschland?

Vor zwei Tagen endete mein letztes Semester als Bachelor-Student und deshalb habe ich mich in den letzten Tagen und Wochen mit diversen Bewerbungen für die unterschiedlichsten Master-Programme herumgeschlagen. Meine eigene Uni, die Universität Mannheim, hat mir eigentlich schon sehr frühzeitig erklärt, welche Zulassungsvoraussetzungen zu erfüllen sind. Okay, ob es wirklich so frühzeitig war, darüber lässt sich streiten, denn es wurde Mitte Februar bekannt gegeben, dass man einen GMAT (Graduate Management Admission Test) mit einem Mindest-Score von 500 einreichen muss um überhaupt in das Bewerbungsverfahren aufgenommen zu werden. Klingt nach genug Vorlaufzeit, aber der Test bedarf normalerweise einer Vorbereitungszeit von mindestens 3 Monaten (offizielle Empfehlung).
Beim GMAT handelt es sich um einen 4-stündigen Test, der die sprachlichen, logischen und mathematischen Denkfähigkeiten des Bewerbers testet. Der ganze Spaß ist natürlich auf Englisch (nebenbei eine kleine Empfehlung: englisch online lernen spart viel Zeit, man kann überall wo Internetanschluss ist, lernen), kostet knapp 300 Dollar und wird unter den höchsten Sicherheitsvorkehrungen abgehalten, denn ohne Fingerabdruck und Co darf man den Testraum erst gar nicht betreten. Die Ergebnisskala reicht bis 800 Punkte, wobei dieser Score quasi nicht zu erreichen ist. Ein durchschnittlicher Testteilnehmer befindet sich im Bereich 450 – 500 Punkte. Es gibt aber wohl gerade in Indien viele Testteilnehmer, die sich auf diesen Test sehr intensiv (bis zu einem Jahr) vorbereiten um dann am Ende bei einem Ergebnis von 750+x mit einem Vollstipendium an die amerikanischen oder europäischen Top-Universitäten wechseln zu können. Der Test ist also auf jeden Fall ein Türöffner und sollte nicht mit dem TOEFL oder ähnlichen Tests verglichen werden, die meiner Meinung nach im Vergleich zum GMAT ein Kinderspiel sind.

Das Schöne an diesem GMAT ist auch, dass man damit einen internationalen Standard hat mit dem man sich auch an den renommierten ausländischen Universitäten bewerben kann. In Deutschland wird der Test auch immer beliebter (hat natürlich auch mit den Akkreditierungen zu tun) und obwohl die Uni Mannheim meines Wissens noch die einzige staatliche Hochschule ist, die diesen Test verlangt, wird sich dieser Standard in den kommenden Jahren durchsetzen. Bei privaten Unis (z.B. EBS) gab es diese Anforderung wohl schon länger.

Nun wieder zurück zu unsere Mannheimer Chaos: Da wir diesen Test bis Ende Mai gemacht haben mussten und zwischendrin aber noch Uni mit benoteten Präsentationen (übrigens zum ersten Mal in meiner Uni-Laufbahn, perfektes Timing) sowie die Bachelor-Arbeit (6 Wochen Bearbeitungszeit) hatten, waren die Studenten zu recht etwas angesäuert, denn bei diesem Zeitplan musste man zwangsläufig Prioritäten setzen.

Die 500er-Marke zu überspringen ist übrigens nicht das große Problem (hab es selber locker geschafft), aber da man mit einem guten GMAT im Vergabeverfahren einen etwas schlechteren Notenschnitt wettmachen kann, wollten natürlich alle die Chance nutzen um ihre Bewerbung etwas zu pushen. Im neuen Vergabeverfahren werden ja auch viele externe Bewerbungen von anderen Hochschulen erwartet und da bekanntlich die Schnitte an der Uni Mannheim im Bereich BWL schlechter ausfallen als an anderen Hochschule, wollten die internen Studenten natürlich einen GMAT als Ausgleich nutzen.
Die Integration des GMAT in das deutsche Hochschulwesen ist ein gutes Beispiel für so vieles an meiner Uni seit dem Umstieg auf das Bachelor/Master-System: Gut gedacht, schlecht gemacht.

Auch bei den restlichen einzureichenden Unterlagen wurde nicht an Bürokratie gespart und so musste man zum Beispiel irgendwie vorweisen, dass man bei seinen Praktika mindestens 40 Stunden pro Woche gearbeitet hat.
Trotzdem habe ich mich – neben vielen anderen Programmen – für den Master an der Uni Mannheim beworben. Jetzt bin ich gespannt, wo ich nächstes Semester studieren werde.

3 Kommentare

  1. David sagt:

    Zu der grundsätzlichen Einschätzung des GMATs gebe ich dir Recht, auch wenn ich dessen Verbreitung nur bedingt positiv bewerte.

    Allerdings habe ich das Gefühl, dass du das Ganze hier negativer bewertest als es ist:

    – erstens sind 250$ aktuell lediglich 180 € (selbst inklusive Gebühren habe ich knapp 200 € bezahlt)
    – die Uni Mannheim hat für die eigenen Studenten kostenlose Vorbereitungskurse angeboten um ihre Absolventen auf den Test vorzubereiten
    – hätte man ab Januar/Februar damit rechnen können, dass der GMAT eines der Zulassungskriterien werden würde und viele haben den Test entsprechend vor Semesterbeginn oder im März gemacht
    – auch mit weit weniger als drei Monaten Lernzeit (z.B. 3 Wochen) lässt sich ein Ergebnis im Bereich 700 Punkte erreichen
    – das „die Studenten“ angesäuert waren, kann ich aus meinem Umfeld absolut nicht bestätigen, aber vielleicht ist dein Eindruck da ein anderer

    Was die Praktika angeht: ich glaube entsprechende Formalien muss man an jeder Hochschule beachten, sonst könnte ja jeder der zwei Wochen irgendwo irgendwas gemacht hat, das als Praktika werten lassen, folglich finde ich diese Beschränkung sinnvoll.

  2. Sven sagt:

    Hallo David,

    da im fünften Semester ein verpflichtendes Auslandssemester an der Uni Mannheim vorgesehen ist, waren einige noch im Ausland bzw. auf Reisen während diese „inoffiziellen“ Infos von der Fachschaft kamen. Zudem war das für viele auch kein Grund sich deshalb schon gezielt auf den Test vorzubereiten. Jeder aus meinem Umfeld wollte erst einmal die offizielle Veranstaltung der Uni abwarten.
    Bei den Testergebnissen stimme ich dir zu. Ich habe mit 2 Tagen Vorbereiten über 600 gescored, aber Statistiken, die wir gezeigt bekommen haben, zeigen, dass dies die Mehrheit der 700+x Testtakers mehrere Monate Vorbereitung hatten. Da darf man nicht nur von Einzelfällen ausgehen und schon gar nicht in einem Bewerbungsprozess.

    Auch wenn ich alle Anforderungen erfüllt habe und nebenher auch mit meiner Bachelor-Arbeit zufrieden bin, muss man sagen, dass die Uni wie immer gerne mal die Leute ins kalte Wasser wirft und es da noch jede Menge Potential nach oben gibt.
    Nicht umsonst wurde bei der Polonaise durch die Bib „Nie wieder Mannheim!“ gerufen. Ist zwar ne Top-Uni aber manchmal schießt man meiner Meinung nach übers Ziel hinaus!

  3. lol sagt:

    vor allem die testkonsrukteure freuen sich, sie werden reich 🙂

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