Hochschul-Bolognese

Semesterferien. Zeit zum entspannen, verreisen, geldverdienen, lernen und verdauen. Ja, richtig gelesen, verdauen. Denn vielen Studierenden liegt die „Hochschul-Bolognese“ der Europäischen Union doch schwer im Magen. Sie, die Studenten, lamentieren über die Neuerungen dieses Gerichts, über die riesen Portion Workload garniert mit Credit-Points, und den doch sehr mickrigen Bachelor-Nachtisch. Nicht wenigen stößt das Ganze sauer auf, einige haben schon nach ein paar Bissen genug.
Mancherorts heißt es nun, die heutige Generation wäre nicht mehr belastbar. Hohe Abbrecherquoten und der Run auf Hochschul-Psychologen zeugen von der Unfähigkeit und der Verweichlichung der jugendlichen Bildungselite. An die Unfähigkeit des Systems wird jedoch oft nicht gedacht.

Steigender Druck während der Studienzeit

Fakt ist zwar, dass der Arbeitsmarkt heutzutage hart umkämpft ist und stärker denn je im internationalen Wettbewerb steht. Ein Versagen in der Ausbildung ist der erste Schritt in Richtung des sozialen Abstiegs. Fakt ist auch, dass es im späteren Berufsleben keinesfalls einfacher wird, und dass man sich wohl oft und gerne an die Studienzeit zurückerinnert.

Die Frage nach der Zukunft der Hochschulen geht jedoch in eine andere Richtung: sie muss lauten, ob das „bologniale“ Bildungskonzept, das dem des Nürnberger Trichters gleicht, die ideale Vorbereitung für die künftigen Leistungsträger der Gesellschaft ist. Werden mit dieser Art von Lehrvorschriften nicht das Humboldtsche Bildungsideal und revolutionäre Erkenntnisse der letzten Jahrzehnte aus Lehr- und Lernforschung kurzerhand massakriert? Auf steigenden Druck im Berufsleben mit steigendem Druck während der Studienzeit zu antworten, ist nicht der richtige Weg. In den Hochschulen engstirnige, arbeitsfixierte Maschinen erschaffen zu wollen, die exakt in den Arbeitsmarkt passen und darüberhinaus über wenig andere geistige Bildung verfügen, wohl ebensowenig.

Die Hochschule- Eine Zusammenkunft für wissbegierige Studenten

Vielmehr muss die Hochschule – fernab von Bürokratie und vielen Regeln – wieder zu einer Plattform der Zusammenkunft junger Menschen werden, die ihren Geist mit neuen Ideen beflügeln und fordern wollen, die wissbegierig sind und das Genie in sich entdecken wollen. Hierfür muss die Hochschule die passenden Rahmenbedingungen liefern – damit sich der Geist einer jungen Generation frei entfalten kann.

10 Kommentare

  1. Frank sagt:

    Die Frage die bleibt ist, ob der Bachelor-Studiengang die freie Entfaltung des Geistes der jungen Generation nicht eher bremst… Irgendwie sollte man sich da in den Führungskreisen der Hochschulen mal Gedanken drüber machen.

  2. nata sagt:

    wieso sollte er ihn denn bremsen?
    weil sich das system geändert hat?

  3. Frank sagt:

    Weil das Prinzip der Hochschule eigentlich das „Studieren“ und nicht das „Lernen“ sein sollte, wie das einer unser Profs mal gesagt hat.Das Bachelor-Prinzip führt zu einer Verschulung und zwingt die Studenten in vorgefertige Module auf die sie keinen Einfluss haben. Dazu kommt noch die Anwesenheitskontrolle, die auch sehr an Schule erinnert.

  4. SchiffeR sagt:

    Anwesenheitskontrolle? Gibt’s hier nicht.

  5. Frank sagt:

    Also bei unsern Bachelor-Studenten in Heidelberg ist Anwesenheitspflicht in jeder Vorlesung/Seminar und sogar im Tutorium

  6. nata sagt:

    bei mir an der uni gibts nur bei VOs keine anwesenheitspflicht!

    is wohl doch unterschiedlich, ich hatte noch die wahl ob ich im alten system bleibe oder wie gesagt zu den credits wechsel. die sind mmn besser, da man sich bei uns jedenfalls einiges an Prüfungen sparen kann, wenn man unterschiedliche gewichtungen für diese erhält, als nur 2 sws.

    bist du sicher das du an einer uni bist und nich an einer fh 😀 ?

  7. SchiffeR sagt:

    Meinst du mich, nata?

    Ja, ich bin mir da ziemlich sicher. 😉
    Weder bei Vorlesungen, noch Seminaren, noch Tutorien gibt es ne Anwesenheitspflicht.

    Find ich gut, denn wozu das Ganze? Hätte man ja gleich in der Schule bleiben können. 😉

  8. nata sagt:

    ne ich meinte frank!
    seh ich genauso – fh hat das system einer 14.klasse

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