Studieren in der frühen Neuzeit

Dramatische politische und gesellschaftliche Entwicklungen sorgten in der frühen Neuzeit dafür, dass sich Europa sehr veränderte und damit auch die Anforderungen der Universitäten. Es ergaben sich Gesetz für das einstige Lehnswesen, es gab Steuererhebungen, was alles dazu beitrug, dass der Bedarf an Juristen wuchs. Zudem kam im 18. Jahrhundert das Fach der Verwaltungslehre hinzu. Es wurden Aufgaben der katholischen Kirche neu organisiert, wofür ebenfalls gut ausgebildete Theologen und Verwaltungsbeamte erforderlich waren.
Daher entstanden zu dieser Zeit die Landesuniversitäten, die Zahlen der Studenten stiegen und auch das gesellschaftliche Niveau der Studenten wurde immer ansehnlicher. Wer im Territorialstaat zur Führungsebene gehören wollte, musste Student an einer Universität gewesen sein. Damit mussten sich auch Adelige zusammenreißen und sich in einer derartigen Ausbildung durchsetzen, wollten sie ihren bürgerlichen Verwaltungsbeamten geistig in nichts nachstehen. Durch das Interesse des Adels konnten die Unis ihre finanziellen Polster aufbessern.
Durch die Gegenreformation kam es zu einer neuen Welle von Universitätsgründungen, es kam das Konzept der Ritterakademien auf und es standen neben studia und exercitia Latein und andere moderner Sprachen im Lehrplan. Auch militärische Übungen mit Pike und Muskete waren im Lehrplan vorgesehen.
Auch wenn es so klingt, als erlebten die Universitäten zu dieser Zeit ihre Blüte, war in Europa das Universitätsstudium eine sehr exklusive Bildung, die lange nicht jedem möglich war. Zum Ende des 18. Jahrhunderts studierten in Deutschland nicht mal 6.000 Söhne von höheren Beamten. An Frauen an der Uni war gar nicht zu denken.

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