Verdienen unsere Profs nicht genug? Bald nur noch gute Noten gegen gute Bezahlung?

Zugegeben, ich habe mich nicht wirklich damit beschäftigt, wie hoch das Einkommen unserer werten Herren und Frauen Professoren ist, doch zumindest unseren Dozenten selbst scheint es nicht wirklich genug zu sein. Denn gerade in der jüngsten Vergangenheit habe ich einen gewissen Trend in Richtung „Nebeneinkommen“ beobachten können, der einem als Student nicht unbedingt gefallen mag. Stichwort „eigene Lehrbücher“.

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Erstaunlich oft ist mir dieses Semester der Satz „… ausführlich ist dieses Thema dann in meinem Buch nachzulesen, welches demnächst erscheint. In Ihrem Script finden Sie das übrigens nicht“ aufgefallen. Auch scheint es sich zu einer Unart entwickelt zu haben, die Scripte nicht mehr Online oder im Copyshop zur Verfügung stellen zu wollen, sondern lieber gleich selbst – und exklusiv auf diese Weise – das eigene Script durch Mitarbeiter der Fakultät an die Studenten zu verkaufen, allerdings zu einem vielfach höheren Preis als den reinen Kopierkosten.

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Habe ich bald nur noch die Chance auf gute Prüfungsergebnisse, wenn ich meinen Profs das Gehalt aufbessere und ihre Pubklikationen kaufe, weil nur dort die prüfungsrelevanten Kapitel wirklich ausführlich beschrieben werden? Bin ich der einzige, oder ist dieser fragwürdige Trend auch schon anderen aufgefallen? Wie steht ihr dazu, findet ihr es ganz legitim oder stösst euch das auf?

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Ich selbst bin mir da noch nicht so ganz schlüssig. Einerseits könnte man es vielleicht positiv werten, dass man dann auch wirklich den zur Vorlesung zugeschnittenen Stoff in Händen hält und nicht – evtl. ebenso für viel Geld – vielleicht diverse andere Bücher anschaffen muss. Andererseits könnte man sich aber auch durchaus stören an dieser Form der Kommerzialisierung…

10 Kommentare

  1. Jochen sagt:

    Finde den Inhalt mancher Skripte sehr dürftig. Selbst wenn man ALLES in einer Vorlesung mitschreiben würde (was nicht geht, wenn man gleichzeitig aufpassen will), benötigt man noch Lehrbücher – idealerweise die, des eigenen Professors – 29.95€ oder mehr. Bibliothek ist oft auch nur spärlich ausgestattet, sodass man das Geld wohl oder übel investieren muss.

  2. Marc sagt:

    das klingt nicht schön. zu der bezahlung der professoren vielleicht erst einmal. Eine W-Besoldung liegt unter der eines Studienrates an Schulen. Also Geld ist an dieser Stelle nicht zu machen, zumindest nicht in dem Mengen, die man sich eventuell vorstellt.

    Nebenverdienste sind bei Profs sicher nichts ungewöhnliches, aber über Skripte? Ich glaube kaum, dass sich das lohnt.

    Auch über Bücher verdient man nicht wirklich dazu. Aber der Absatz beschert einem eventuell eine weitere kostenlose Veröffentlichung.

    In meiner Studienzeit, die gerade mal 2 Jahre zurückliegt und aus dem Betrieb von der anderen Seite kann ich aus Erfahrung sagen, dass es bei uns anders läuft. Da wird gescannt und kopiert und vorbereitet.

    Wir machen leider oft die Erfahrung, dass dies jedoch keineswegs gewürdigt word. Da werden für Prüfungen nicht einmal diese Texte gelesen.

  3. Frank sagt:

    Also ich hab ja erst vor kurzem hier einen Bericht über den Verdienst von Profs geschrieben und der liegt in meinen Augen mit 4500 € monatlich ja nicht gerade im „unteren“ Bereich. Dennoch habe ich den Trend ebenfalls schon beobachtet, dass man mit den Materialien für die Vorlesung noch Geld machen will. Schade irgendwie, aber irgendwo trotzdem verständlich dass die Profs zusätzlich Geld machen wollen.

  4. torschtl sagt:

    ich habe im 2. semester externe unternehmensberichterstattung 1. da erst vor wenigen wochen das bilangmodernisierungsgesetz verabschiedet wurde, findet sich noch keine aktuelle literatur im handel.
    unser prof. (prof. dr. haller Lehrstuhl für Financial Accounting and Auditing) hat mit seinen mitarbeitern kurzfristig die lehrinhalte angepasst und ein überarbeitetes skript entworfen.

    ca. 100 seiten skript + 50 seiten übungsheft für 10 euro. das kann man, in anbetracht der tatsache, dass man sich eine menge arbeit spart, wenn man sich die gnazen neuerungen selber raussuchen müsste, sehr gut tolerieren imho. wenn ich 5 ct pro kopie ansetze wäre ich auch schon bei 7,50, dürfte aber noch 2h vorm kopierer verbringen…
    sekundärliteratur ist sicher hilfreich, aber wenn man – wie ich das praktiziere – jede vorlesung aufmerksam verfolgt, reicht einem das skript als gedächtnisstütze für eine akzeptable note

  5. Marc sagt:

    @frank hast du den link zu dem beitrag über die verdienste? ich finde ihn auf die schnelle nicht.

    was man bei 4500 € nicht vergessen darf, sind die dinge, die mit dran hängen. also all das, was privat gezahlt werden muss, da man beamter ist (ist aber eine andere diskussion). sicherlich liegen die damen und herren prof nicht im unteren einkommensbereich, allerdings darf man die investierte arbeitszeit nicht unterschätzen (nach 40 stunden ist noch lange nicht schluss) und man darf ebenfalls die selbstverwaltungsanteile an der hochschule nicht vergessen. diesen kosten sehr viel arbeitszeit. und ich wiederhole mich, mit den skripten ist nicht wirklich geld zu machen, siehe torschtls rechnung.

  6. Mo sagt:

    Regt mich persönlich auch öfters auf. Zwar ist Verständnis dar für den Nebenverdienst, aber prinzipiell geht es darum, dass die Profs „Lehrbeauftragte“ sind und sich bewusst für diesen Beruf entschieden haben mit all den verbunden, insbesondere, finanziellen Nachteilen. Der Inhalt und die Menge ihrer Arbeit wird bereits durch die Besoldung vergütet. Daher empfind ich dass eher als Raffgierig mehr als den Kopierpreis zu verlangen.

  7. Birgit sagt:

    Nochmal zum Verdienst von Professoren. Es ist ja überall nachzulesen was brutto pro Jahr verdient wird. Einfach nach W3 googeln. Das sind ca 58.000 Eur brutto.

    Was oft vergessen wird: Professor wird man ja nicht mit 30 sondern im Schnitt mit 40-45 Jahren. Das Gehalt was man dann bekommt ist aber die Endstufe. Steigerungen auf W4 W5 sind nicht möglich weil es diese nicht gibt. sonstige Steigerungen sind nur die bei Beamten sehr spärlichen Steigerungen pro Jahr. Das sind aber keine 5% mehr pro Jahr wie bei der IG Metall. Beamte haben kein Streikrecht und keine Gewerkschaft.

    BWL-Absolventen bekommen direkt nach Ende des Studiums mit 25 durchaus 40.000 Eur. Mit der Möglichkeit zu jährlichen Steigerungen. Wenn man dann mal vergleicht, dass ist das Gehalt von Professoren schon irgendwie nicht so toll.

    Der Fehler der imer wieder gemacht wird ist Profs mit normalen durchschnittlichen Angestellten zu vergleichen. Das sind die aber nicht. Es ist halt leider so schwer zu beurteilen wie viel ein top begabter Absolvent irgendwann im Endstudium seines Lebens vertretbar verdienen sollte. 100.000 Eur würde ich für vertetbar halten. Das verdienen viele Werksleiter, Bereichsleiter in Industrieunternehmen und viele Managing Directors bei Banken (letztere mit Leichtigkeit). Damit verglichen verdient ein Prof praktisch nichts.

    Die Abzocke mit Studienliteratur finde ich trotzdem abartig. Ich hab das in meinem Studium nur bei einem einzigen Prof selbst mitbekommen. Wir haben uns dann allerdings das Buch kopiert und verteilt.

  8. Thomas Schulze sagt:

    Na die armen prof´s – so ganz schlimm ist es wohl nicht, und in der Regel machen einige noch was nebenbei – Beratung, Vorträge etc. Und in der Krise haben Sie einen sicheren JOB!

  9. Jobmensa | Studentenjob News sagt:

    […] Studentenjob für die Uni?Das man einem Studentenjob nachgeht, um neben dem Studium etwas dazu zu verdienen, haben wir ja schon mehrfach diskutiert.Aber müssen wir bald einem Studentenjob nachgehen, um überhaupt die Zusatzkosten in der Uni zu bezahlen?Im Uniblog gabs dazu einen interessanten Artikel – > Studentenjobs um das Studium zu meistern? […]

  10. k. sagt:

    Auch wenn’s spät ist, man kriegt von einem Buch, das 30€ kostet, grade mal 2-3€ als Autor. Ein Fachbuch wird 1000 Mal im Jahr verkauft, dann ist es ein Erfolg. Reich davon werden? Dass ich nicht lache.

    Ist ein miserabler Stundenlohn, das Bücherschreiben (unter 3 Stunden pro Seite – geht nichts – >Recherche<, Mehrfachlektorat, Satz,.. nicht inbegriffen ), und das "wie in meinem Buch zu lesen ist", meistens nichts als eine Mischung aus Egogratifikation (ja, wenn man so verdammt hart an dem Ding arbeitet, will man auch, dass zumindest irgendwer es liest) und tatsächlich wohlgemeintem Tipp: Viele Bücher entstehen aus Lehrveranstaltungen (Material muss mehrmals "getestet" werden, bis es gut ist), und manche Dozenten (vor allem wir nebenberuflichen, die im Semester (!) 500- 1000 Euro für eine LVA bekommen (um eine einzige Stunde vorzubereiten, rechnet man mit 3-4 Stunden Aufwand, das mal 30..), und miserable Aussichten haben) schreiben das Buch, das sie immer zum Unterrichten verwenden wollten.

    Wir sind keine Feinde, wir kämpfen selber mit Druck von oben, wie Noten und Evaluationen auszusehen haben, und es ist mir zumindest, mit Verlaub, scheissegal, wer welche Note bekommt, solange ich keinen Ärger mit potentiellen Klagen und Beschwerden habe.
    Ich würde mich über eine etwas differenziertere Schreibe freuen und weniger paid content.

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